Der Rat der Stadt Meckenheim hat Ende März 2026 neue Ansiedlungskriterien für den Unternehmerpark Kottenforst beschlossen.

Bürgermeister Sven Schnieber bezeichnet die Überarbeitung als wichtigen Schritt für die zukünftige Vermarktung des Gewerbegebiets. Die Bürgerinitiative Meckenheim hat den bisherigen und den neuen Kriterienkatalog miteinander verglichen und die Änderungen ausgewertet.

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Wofür gibt es überhaupt einen Kriterienkatalog?

Wer ein Grundstück im Unternehmerpark erwerben möchte, erhält den Zuschlag nicht automatisch.

Die Bewerber werden anhand verschiedener Kriterien bewertet. Dabei spielen wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte eine Rolle. Die erreichte Punktzahl fließt anschließend in die Entscheidung über die Vergabe der Grundstücke ein.

Eine Besonderheit bleibt auch künftig bestehen: Es gibt keine feste Mindestpunktzahl, die erreicht werden muss. Die endgültige Entscheidung über die Vergabe trifft weiterhin der Rat der Stadt Meckenheim.

Bisheriger Kriterienkatalog

Nr. Ansiedlungskriterien Gewichtung in %
3.1 Zugehörigkeit zum Branchencluster 20
Mitgliedschaft im bio innovation park Rheinland e.V. 5
Bestandteil des definierten Wertschöpfungsmodells 5
3.1.1 Stellung in der Wertschöpfungskette 5
3.1.2 Zukunftseffekte 5
3.2 Ressourcenschonender Umgang mit Flächen 20
3.2.1 Arbeits- und Ausbildungsplätze in Relation zum Flächenbedarf 10
3.2.2 Gewerbesteuerleistung (Gewinn, Umsatz) in Relation zum Flächenbedarf 5
3.2.3 Nutzfläche in Relation zum Flächenbedarf 5
3.3 Bebauung, Gestaltung und Nutzung der Grundstücke 20
3.3.1 Bauen mit Holz und nachwachsenden Rohstoffen 10
3.3.2 Gestaltung und Nutzung der Betriebsflächen 5
3.3.3 Einsatz erneuerbarer Energien und sonstige Klimaschutzmaßnahmen 5
3.4 Betriebswirtschaftliche Eignung (Ausschließungsgrund) 10
Bonität 5
Gewerbesteuerleistung, Gewinn und Umsatzentwicklung 5
3.5 Verkehrseffekte / Mobilitätskonzept 10
Maßnahmen zur Vermeidung bzw. Reduzierung negativer Verkehrseffekte 10
3.6 Gesellschaftliche Verantwortung 10
Projekte und Maßnahmen zur gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmens 10
3.7 Stadtentwicklungspolitische Ziele 10
Das Vorhaben fördert die Zielsetzungen der Stadt Meckenheim 10
Gesamt 100

Neuer Kriterienkatalog

Nr. Ansiedlungskriterien Gewichtung in %
1. Ökonomische Nachhaltigkeit 45
1.1 Betriebswirtschaftliche Eignung (Ausschließungsgrund) 15
1.2 Sichere Steuereinnahmen 15
1.3 Zukunftsbranchen 10
1.4 Synergien 5
2. Ökologische Nachhaltigkeit 30
2.1 Bauen mit Holz und nachwachsenden Rohstoffen 10
2.2 Einsatz erneuerbarer Energien und sonstige Klimaschutzmaßnahmen 5
2.3 Ressourcenschonung (Nutzung und Gestaltung der Betriebsflächen) 5
2.4 Verkehrseffekte 10
3. Soziale Nachhaltigkeit 25
3.1 Qualitative Arbeitsplätze 10
3.2 Gesellschaftliche Verantwortung 5
3.3 Stadtentwicklungspolitische Auswirkungen 10
Gesamt 100

Die wichtigsten Änderungen auf einen Blick

Thema Bisher Neu
Grundstruktur 7 Hauptkriterien 3 Nachhaltigkeitssäulen
Wirtschaftliche Kriterien auf mehrere Bereiche verteilt 45 % Gesamtgewicht
Branchencluster 20 % Gewichtung Zukunftsbranchen 10 %
Bio Innovation Park / Netzwerke Mitgliedschaft im bio innovation park Rheinland e.V. ausdrücklich genannt (5 %) Synergien mit Netzwerken (5 %); als Beispiele werden der bio innovation park Rheinland e.V. und Unternehmen für Meckenheim e.V. genannt.
Verfahren umfangreich und detailliert kompakter und übersichtlicher

Was fällt beim Vergleich auf?

Die grundsätzliche Ausrichtung des Kriterienkatalogs bleibt erhalten. Auch künftig werden wirtschaftliche, ökologische und soziale Aspekte berücksichtigt.

Die größte Veränderung betrifft die wirtschaftlichen Kriterien. Diese werden nun deutlich stärker gewichtet und unter dem Begriff „Ökonomische Nachhaltigkeit“ zusammengefasst.

Gleichzeitig wurde der Katalog deutlich kompakter aufgebaut. Nach Angaben der Stadt sollen die Kriterien dadurch verständlicher und einfacher anwendbar werden.

Warum wurde der Kriterienkatalog überhaupt überarbeitet?

Noch bei der Vorstellung des neuen Kriterienkatalogs Ende Mai 2026 erklärte Wirtschaftsförderer Dirk Schwindenhammer, die Ansiedlungskriterien seien „zu keinem Zeitpunkt das Problem gewesen“. Als Ursachen wurden vielmehr die Corona-Pandemie, wirtschaftliche Unsicherheiten und spätere Krisen genannt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob diese Faktoren allein die Entwicklung erklären können, da vergleichbare wirtschaftliche Rahmenbedingungen auch andere Gewerbegebiete betroffen haben.

Nach Auffassung der Stadt soll die Überarbeitung des Kriterienkatalogs dazu beitragen, wirtschaftliche Aspekte stärker hervorzuheben und mögliche Hürden für Interessenten zu reduzieren.

Im Austausch mit der Bürgerinitiative Meckenheim erklärte Bürgermeister Sven Schnieber, dass Unternehmen sich möglicherweise schon durch die bisherige Präsentation des Unternehmerparks oder durch die umfangreichen Bewerbungsunterlagen gegen Meckenheim entschieden haben könnten.

Netzwerke bleiben weiterhin Bestandteil der Bewertung

Bereits im bisherigen Kriterienkatalog wurde die Mitgliedschaft im bio innovation park Rheinland e.V. mit fünf Punkten bewertet.

Im neuen Kriterienkatalog findet sich dieser Gedanke weiterhin wieder. Unter dem Punkt „Synergien“ werden Kooperationen und Netzwerke positiv bewertet. Als Beispiele nennt die Stadt ausdrücklich den bio innovation park Rheinland e.V. sowie Unternehmen für Meckenheim e.V.

Bürgermeister Schnieber betonte gegenüber der Bürgerinitiative Meckenheim, dass damit keine Bevorzugung einzelner Organisationen verbunden sei. Die Nennung sei lediglich beispielhaft erfolgt und solle die Bedeutung von Kooperationen und Netzwerken am Standort verdeutlichen.

Nichtöffentliche Beratungen

Die Beratungen zum neuen Kriterienkatalog fanden teilweise in nichtöffentlicher Sitzung statt.

Nach Angaben der Stadt geschah dies bewusst, damit konkrete Unternehmen und deren Erfahrungen offen angesprochen werden konnten.

Für Außenstehende bleibt jedoch weiterhin weitgehend offen, welche konkreten Hemmnisse identifiziert wurden und welche Erkenntnisse letztlich zu den vorgenommenen Änderungen geführt haben. Eine zusammenfassende öffentliche Darstellung dieser Erkenntnisse liegt bislang nicht vor.

Ansiedlungen und Projekte im Unternehmerpark

Seit der Erschließung der ersten Bauabschnitte Ende 2019 haben sich verschiedene Unternehmen angesiedelt oder konkrete Projekte auf den Weg gebracht:

  • Josef Küpper Söhne GmbH (Standorteröffnung 2021)
  • Aubergine & Zucchini Vollwertfrischdienst, Partyservice & Catering GmbH (Betriebseröffnung 2022)
  • Air Products GmbH / Regionalverkehr Köln GmbH (Projektstart 2023, Wasserstofftankstelle seit 2025 in Betrieb)
  • BonnTech Sustainable GmbH (Bauvorhaben 2024)
  • GINO AG Elektrotechnische Fabrik (Baubeginn 2026)
  • Rhein-Sieg-Kreis – Rettungswache (Projektvorstellung 2025, Baubeginn vermutlich 2027, Inbetriebnahme für 2028 geplant)

Diese Beispiele zeigen, dass sich im Unternehmerpark durchaus Unternehmen angesiedelt haben und weitere Vorhaben in Umsetzung sind.

Darüber hinaus plant die Fleischhof Rasting GmbH den Bau eines neuen Standortes im Bereich des Unternehmerparks. Die betreffende Fläche befindet sich jedoch bereits seit 2018 im Unternehmensbesitz und wurde damit noch vor der Erschließung der heutigen Bauabschnitte I und III erworben. Das Vorhaben kann daher nur eingeschränkt als Indikator für den Vermarktungserfolg der heute als „Unternehmerpark Meckenheim“ vermarkteten Flächen herangezogen werden.

Gleichzeitig stammen die genannten Projekte aus unterschiedlichen Jahren und wurden teilweise lange vor der Überarbeitung des Kriterienkatalogs angestoßen. Welchen Einfluss die neuen Ansiedlungskriterien auf zukünftige Ansiedlungen haben werden, lässt sich daher derzeit noch nicht beurteilen.

Einordnung der Vermarktungszahlen

Nach Angaben der Stadt sind inzwischen 61 Prozent der vermarktbaren Flächen verkauft. Weitere 9 Prozent sind reserviert.

Solche Zahlen geben einen Überblick über den Stand der Vermarktung. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Verkaufs- und Reservierungszahlen nicht zwangsläufig mit bereits realisierten Bauvorhaben gleichzusetzen sind. Sie zeigen daher nicht automatisch, wie viele Unternehmen bereits gebaut haben oder kurzfristig bauen werden.

Die Bürgerinitiative hatte bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass je nach Betrachtungsweise unterschiedliche Bilder entstehen können. Viele Bürgerinnen und Bürger orientieren sich bei der Bewertung der Entwicklung vor allem an den tatsächlich sichtbaren Fortschritten vor Ort.

Fazit

Mit dem neuen Kriterienkatalog setzt die Stadt künftig einen stärkeren Schwerpunkt auf wirtschaftliche Aspekte und vereinfacht gleichzeitig das bisherige Verfahren.

Der Bürgermeister bewertet die Überarbeitung als wichtigen Meilenstein im Vermarktungsprozess. Ob daraus auch zusätzliche Ansiedlungen, neue Arbeitsplätze und weitere Bauvorhaben entstehen, wird sich jedoch erst in den kommenden Jahren zeigen.

Für die Bürgerinnen und Bürger werden am Ende vor allem die sichtbaren Ergebnisse entscheidend sein: neue Unternehmen, neue Arbeitsplätze, zusätzliche Einnahmen für die Stadt und die Frage, ob dies langfristig dazu beiträgt, die finanzielle Situation Meckenheims zu verbessern und zukünftige Belastungen der Bürgerschaft zu begrenzen.

Quellen

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