Die ganze Wahrheit zur aktuellen Grundsteuer-Debatte in Meckenheim

Am 28. Januar entscheidet der Rat über die Erhöhung der Grundsteuer B von 895 auf 950 Punkte. SPD und BfM kündigen an, dagegen zu stimmen. Die CDU verteidigt die Erhöhung als alternativlos. Zeit für eine sachliche Analyse – mit allen Fakten.


1. DIE BEHAUPTUNG: „DIE GRUNDSTEUERREFORM IST SCHULD“

Die CDU schreibt auf Facebook und ihrer Homepage: „Grundsteuerreform reißt Millionenloch“ und spricht von 1,8 Mio. Euro Mindereinnahmen. Das ist nur die halbe Wahrheit. Hier die ganze:

Nach der Grundsteuerreform hätte Meckenheim den Hebesatz laut Finanzministerium NRW auf 1091 Punkte anheben müssen, um die gleichen Einnahmen wie 2024 zu erzielen (Aufkommenneutralität).
Der Rat Meckenheim entschied im Wahljahr 2025 bewusst anders:

  • Man beließ den Hebesatz bei 895 Punkten
  • Man nahm bewusst 1,8 Mio. Euro weniger Einnahmen in Kauf
  • Grund: Nach der massiven Erhöhung 2023 (571 → 850 Punkte) wollte man im Wahljahr keine weitere Erhöhung

Die Strategie:

  • Man fasste einen „Vorratsbeschluss“ (unpopuläre Entscheidung aufschieben)
  • Man hoffte auf Hilfe von Land/Bund (die nicht kam)
  • Man plante die Erhöhung für 2026 – nach der Wahl

Klartext: Die 1,8 Mio. Euro „Mindereinnahmen“ sind kein unverschuldetes Schicksal durch die Reform, sondern das Ergebnis einer bewussten politischen Entscheidung im Wahljahr.


2. DAS EIGENTLICHE PROBLEM: DER GEWERBESTEUEREINBRUCH

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

  • Grundsteuerreform: -1,8 Mio. Euro (18% des Problems)
  • Gewerbesteuereinbruch: -6,5 Mio. Euro (65% des Problems)

Gewerbesteuer 2025:

  • Geplant: 26 Mio. Euro
  • Tatsächlich: 19,4 Mio. Euro
  • Rückgang seit 2022: ca. 5 Mio. Euro

Strukturelles Defizit: 10 Mio. Euro jährlich

Bürgermeister Schnieber selbst sagt: „Selbst wenn wir heute 30 Spatenstiche im Unternehmerpark haben, wirkt sich das erst 2030 aus.“
Tatsächlich brauchen neue Gewerbeansiedlungen Jahre, bis sie signifikante Gewerbesteuern abwerfen:

  • Bauphase
  • Anlaufphase
  • Abschreibungen von Investitionen

ABER: Das war 2010 schon absehbar! Das war 2015 schon absehbar! Das war 2020 schon absehbar!
DESHALB ist es umso dringlicher, jetzt aktiv zu handeln, damit wenigstens ab 2030 spürbare Entlastung für die Meckenheimer Haushaltslage eintritt.

Die Frage ist: Warum haben wir dieses massive Gewerbesteuerproblem?

Doch die Gewerbesteuereinbußen sind nicht das einzige Problem. Die Stadt Meckenheim hat zudem dauerhaft hohe Ausgaben:

  • Neubau des Schulcampus: Über 120 Millionen Euro – die größte Investition in die Bildungslandschaft.
  • Neue Kita am Siebengebirgsring: Platz für 125 Kinder, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden.
  • Personalkosten: Trotz Ratsbeschluss von 2023, die Kosten um 1,5 Mio. Euro zu reduzieren, konnten nur ca. 600.000 Euro eingespart werden.

Diese Kombination aus hohen Pflichtaufwendungen und Mindereinnahmen verschärft die finanzielle Situation erheblich und erklärt, warum die Stadt auf die Erhöhung der Grundsteuer B angewiesen ist.


3. DER UNTERNEHMERPARK KOTTENFORST: EIN BEISPIEL FÜR VERSÄUMNISSE IN 16 JAHREN CDU-FÜHRUNG

Ein zentrales Beispiel für strukturelle Versäumnisse ist der Unternehmerpark Kottenforst – er zeigt, wie politische Entscheidungen und unzureichende Wirtschaftsförderung über Jahre Einnahmen blockieren können. Das Problem liegt jedoch nicht allein darin, auch andere strukturelle Faktoren spielen eine Rolle.

  • 2010: Unternehmerpark Kottenforst beschlossen (45 Hektar)
  • 2013 (kurz vor der Kommunalwahl Mai 2014): Haushaltsberatungen
    • Unter CDU-Bürgermeister Bert Spilles stellte man Buchgewinne ein, um die Haushaltssicherung zu vermeiden:
      • 2014: 85.000 m² geplante Grundstücksverkäufe
      • 2015-2019: weitere 122.583 m²
      • Gesamt: 207.583 m² = über 20 Hektar

Das bedeutet: Man buchte zukünftige Verkäufe auf dem Papier, um vor der Wahl gut dazustehen. Die Haushaltsprobleme wurden mit Buchungstricks verschleppt.
Doch die Realität sah bekanntlich anders aus:

  • 2019: Erschließung abgeschlossen – Kosten: 13,4 Millionen Euro
  • November 2020: Erster Baubeginn (Küpper) – DAS WAR’S für viele Jahre.
  • 2020-2025: Die Ära unter CDU-Bürgermeister Holger Jung
    • April 2024 – die erschütternde Bilanz:
      • Reale Vermarktung: nur 11% (!)
      • Stabsstellenleiter spricht von „65% Vermarktung“
      • 14 Jahre nach Beschluss
      • 5 Jahre nach Fertigstellung
      • 13,4 Millionen Euro investiert
  • Oktober 2024: Plötzlich ist allen alles klar
    • WDR-Interview (21.10.2024) zum Unternehmerpark: Hier ansehen
      • CDU-Fraktionschef Rainer Friedrich: „Da muss man klar sagen, da muss jetzt dran gearbeitet werden.“
      • SPD-Fraktionschef Stefan Pohl: „Das können wir keinem Meckenheimer erklären, der sagt, warum ich denn jetzt mehr Grundsteuer B bezahlen…“

Beide waren sich EINIG, dass beim Unternehmerpark was passieren muss.
Was ist in den 15 Monaten seitdem passiert? Was ist seitdem konkret passiert?


4. DIE RECHNUNG, DIE NIEMAND MACHT

Wenn auch nur 50% des Unternehmerparks erfolgreich vermarktet worden wären:

  • Geschätzte zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen: 3-5 Mio. Euro pro Jahr
  • Bei 70% Vermarktung: ca. 6 Mio. Euro pro Jahr

Das hätte bedeutet:

  • ✅ Kein strukturelles Defizit von 10 Mio. Euro
  • ✅ Keine massive Grundsteuererhöhung 2023 (571 → 850 Punkte)
  • ✅ Kein „aufkommensneutraler“ Hebesatz von 1091 Punkten
  • ✅ Keine Erhöhung 2026 auf 950 Punkte

Die brutale Wahrheit: Der hohe Hebesatz ist nur deshalb nötig, WEIL die Grundsteuer seit Jahren die fehlenden Gewerbesteuereinnahmen kompensieren muss.
Mit erfolgreicher Wirtschaftsförderung wären wir heute bei Hebesätzen um 650-750 Punkte – nicht bei 950 oder gar 1091.


5. DIE AUSSCHUSSSITZUNG (HFA) AM 21. JANUAR: WER SAGTE WAS?

Martin Leupold (CDU) vermisste „konkrete Einsparmöglichkeiten“ und bezeichnete – im Zusammenhang mit einem „stabilen Haushalt“ – die mutmaßlichen Steuererhöhungen für die nächsten Jahre als nicht stabil. Er erinnerte an die Aufgaben der Politiker, Einsparpotentiale zu erarbeiten, und forderte mit den Bürgern zusammen ein Konzept der weiteren Steuererhöhungen zu erstellen, um einen stabilen Haushalt zu erreichen. Am Ende enthielt er sich der Stimme, als der Beschluss gefasst wurde, die Erhöhung zur endgültigen Entscheidung dem Rat für den 28.01.2026 vorzulegen.

Rainer Friedrich (Fraktionsvorsitzender CDU) stellte klar, dass die Meinung von Herrn Leupold nicht der Meinung der CDU-Fraktion entspricht und erläuterte, was für den Haushalt 25/26 letztes Jahr beschlossen wurde. Er verwies auf die mittelfristige Finanzplanung, um zukünftig die Aufkommensneutralität zu erreichen. Erneut sprach er dem Bürger ab, dies zu verstehen: „Das ist sicher dem Bürger nicht so geläufig wie uns Ratsmitgliedern.“ Um die Finanzfähigkeit der Stadt nicht zu riskieren, warb er dafür, die Grundsteuer auf 950 „wenn nicht mehr“ zu erhöhen.

Tobias Pötzsch (Co-Fraktionsvorsitzender der Grünen) erinnerte daran, dass in den Haushaltsberatungen von allen Ratsmitgliedern keine Optionen gefunden wurden, wo man hätte sparen können. Auf die Forderung von Herrn Leupold erwiderte er, dass es sehr wohl Bürgerbeteiligungen zum Thema Haushalt gegeben habe. Dabei blendete er aus, dass die von allen Fraktionen Ende 2023 einstimmig beschlossene AG Haushaltskonsolidierung zwar Bürgerbeteiligung vorsah, aber zu keinem Zeitpunkt die Bürgerinnen und Bürger informiert oder beteiligt wurden.

Ralf Diekmann (Fraktionsvorsitzender BfM) erinnerte an die Demonstrationen im Jahr 2023 vor dem Rathaus, die sich gegen die Grundsteuererhöhung von 571 Punkten (2022) auf 850 Punkte (2023) richteten. Zugleich machte er deutlich, dass man diese Begründung der CDU seit Jahren höre: Die Grundsteuer müsse erhöht werden, um den Haushalt zu stabilisieren.

Daniel Dunkelberg (Fraktionsvorsitzender UWG) bezeichnete den Beschluss als „verantwortungsvolle Entscheidung“.


6. DIE ENTSCHEIDENDE FRAGE, DIE NIEMAND BEANTWORTET

„Welche konkreten, beschlussfähigen Vorschläge haben die Fraktionen zwischen der Verabschiedung des Doppelhaushalts 2023/2024 (14. Juni 2023) und heute eingebracht, um die Hebesatzerhöhung zu vermeiden?“

Im Oktober 2024 sagte SPD-Fraktionschef Stefan Pohl noch gemeinsam mit der CDU im WDR: „Das können wir keinem Meckenheimer erklären…“ und „Da muss jetzt dran gearbeitet werden.“
Heute, Januar 2026, postet die SPD: „Es gibt keinen überzeugenden Plan“ und fordert „nachhaltige Haushaltskonsolidierung“ und „klare Prioritäten“.
Aber: Wo sind die eigenen konkreten Vorschläge?
Die Bürgerinitiative stellt diese Frage immer und immer wieder – und bekommt keine Antwort:

  • ❌ Welche Ausgaben konkret kürzen? (mit Zahlen!)
  • ❌ Welche Einnahmen konkret erschließen? (mit Zahlen!)
  • ❌ Welche Initiativen zur Wirtschaftsförderung?
  • ❌ Welche Konzepte zur Vermarktung des Unternehmerparks?

Ohne diese Antworten bleibt die Opposition unglaubwürdig.


7. WARUM DIE ABLEHNUNG DES HH 2026 PROBLEMATISCH IST

Sie verhindert nichts, gefährdet aber alles!

Die Realität:

  • Die Erhöhung auf 950 Punkte war Bestandteil des Haushalts 2025/2026
  • Der Haushalt wurde mit der Kommunalaufsicht abgestimmt und ist genehmigungsfähig
  • Die Abstimmung ist nur nötig wegen des „Vorratsbeschlusses“

Was passiert bei Ablehnung?

  • Der Haushalt 2026 ist nicht mehr genehmigungsfähig
  • Die Stadt muss einen neuen Haushaltsentwurf erarbeiten (Monate!)
  • Die Haushaltsplanung 2027/2028 steht vor der Tür
  • Es droht Haushaltssicherung durch die Kommunalaufsicht mit strengeren Auflagen durch die Kommunalaufsicht

Das heißt: Die Ablehnung verschiebt und verschlimmert das Problem nur. Am Ende zahlen die Bürger mehr – mit Zinsen.


8. UNSER APPELL

Die Grundsteuerreform ist nicht schuld an den hohen Hebesätzen. Schuld sind:

  • 16 Jahre Versagen von allen Fraktionen beim Unternehmerpark
  • Unzureichende Wirtschaftsförderung
  • Keine konkreten Lösungen von allen Fraktionen

Die Bürger zahlen jetzt für politisches Versagen – quer durch alle Parteien.

Was wir fordern:

  • ✅ Endlich aktive Wirtschaftsförderung statt Arroganz
  • ✅ Konkrete Alternativvorschläge statt Symbolpolitik
  • ✅ Ehrlichkeit statt Schuldzuweisungen
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