Finanzen im Wahlkampf: Wer hat einen Plan für Meckenheim?

Knapp acht Wochen vor der Kommunalwahl 2025 haben wir die Wahlprogramme aller Parteien und Wählervereinigungen in Meckenheim ausgewertet – mit dem Fokus auf ihre Konzepte zur Bewältigung der angespannten Haushaltslage, der geplanten Grundsteuererhöhungen und der wirtschaftlichen Entwicklung. Hier gibt es den Überblick.

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💰 Wahlprogramme im Vergleich – Wie wollen die Parteien mit Meckenheims Finanzen umgehen?

Die Stadt Meckenheim steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen: Für 2025/26 wird ein Defizit von fast 9 Millionen Euro erwartet, das bis 2029 auf über 30 Millionen Euro anwachsen könnte. Ab 2026 soll die Grundsteuer B moderat steigen – von derzeit 895 auf 950 Prozentpunkte und bis 2028 auf 1100 Punkte. Die Sätze der Grundsteuer A (Agrar- und Forstflächen) werden im gleichen Zeitraum ebenfalls angehoben. Die Gewerbesteuer hingegen bleibt unverändert bei 520 Prozentpunkten.

Vor diesem Hintergrund haben wir die Wahlprogramme und öffentlichen Aussagen aller Parteien und Wählervereinigungen (Stand: 18. Juli 2025) analysiert. Dabei konzentrieren wir uns auf die Themen Haushalt, Steuern, Wirtschaftsförderung und Verwaltungsmodernisierung.

Thema / Gruppe Bündnis 90/Die Grünen Meckenheim Bürger für Meckenheim (BfM) CDU Meckenheim FDP Meckenheim SPD Meckenheim UWG Meckenheim
Haushaltslage Betont strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen und hohen Pflichtanteil im Haushalt Spricht von Ausgabenproblem (laut Bund der Steuerzahler NRW) Erkennt steigende Belastung, verweist auf Defizite bei Pflichtaufgaben Sieht strukturelle Probleme, fordert Landesreform Keine Analyse, verspricht „solide Finanzen“ Spricht allgemein von „verantwortungsvoller Haushaltspolitik“
Ausgabenstrategie Investitionen mit Augenmaß, keine pauschalen Kürzungen, Priorisierung statt Abbau Sparen durch Digitalisierung, Verwaltungsmodernisierung, interkommunale Zusammenarbeit Effizienzsteigerung und Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen Ausgaben nur mit Gegenfinanzierung, Fokus auf Wirtschaftlichkeit Keine konkreten Einsparvorschläge Keine Angaben
Grundsteuer / Steuern Keine Aussage zur Rücknahme der Grundsteuererhöhung Ziel: Rücknahme der Erhöhungen Belastung soll möglichst gering bleiben Keine Aussage zur Grundsteuer, fordert Abschaffung der Straßenausbaubeiträge Lehnt Steuererhöhungen ab – trotz beschlossener Erhöhungen Keine Angabe
Wirtschaftsförderung Fokus auf lokale Kreisläufe, Nachhaltigkeit, soziale Innovation, Gewerbeentwicklung mit ökologischen Standards Gezielte Gewerbeansiedlung, Standortmarketing, Optimierung von Auflagen Will Unternehmen mit vielen Arbeitsplätzen ansiedeln Fokus auf KMU, betont Rolle des Wirtschaftsförderers „Aktive Wirtschaftsförderung“ (unpräzise) Spricht von „Sicherung und Ausbau des Wohn- und Gewerbestandortes“
Digitalisierung / Verwaltung Will 80 % der Verwaltungsleistungen bis 2028 digital und barrierefrei verfügbar machen Zentrales Element der Sparstrategie Verwaltung soll auf aktuelle Entwicklungen reagieren Keine konkrete Digitalstrategie genannt Nicht thematisiert Keine Angabe
Transparenz & Beteiligung „Gläserner Haushalt“, frühzeitige Bürgerbeteiligung bei Entscheidungen Nicht thematisiert Keine Angabe Keine Angabe Keine Angabe Keine Angabe
Forderungen an Land/Bund Fordert grundlegende Reform der Kommunalfinanzierung Weist auf Wettbewerbsnachteil bei Gewerbesteuer gegenüber Rheinland-Pfalz hin Fordert bessere Finanzierung kommunaler Aufgaben Will Schuldentilgungsfonds & Anhebung des Verbundsatzes auf 26 % Keine Forderungen formuliert Keine Angabe
Konkretheit / Umsetzbarkeit Mittel – klare Ziele, aber keine Aussagen zu Steuern oder konkreten Einsparungen Hoch – zahlreiche Maßnahmen genannt Mittel – viele Aussagen, aber keine aktuelle Programmlage Hoch – systematische Argumentation mit konkreten Forderungen Gering – Versprechen ohne nachvollziehbare Umsetzung Sehr gering


📌 Fazit: Wer liefert Antworten – und wer bleibt vage?

In einem Punkt herrscht Einigkeit: Die finanzielle Lage Meckenheims ist ernst. Doch bei der Frage, wie darauf angemessen reagiert werden soll, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Parteien und Wählervereinigungen.

  • Die UWG bleibt am unkonkretsten: Allgemeine Ziele wie Standorterhalt werden genannt, ein Finanzkonzept fehlt bislang vollständig.
  • BfM und FDP liefern die derzeit konkretesten Vorschläge für den Umgang mit der angespannten Haushaltslage. Beide setzen auf Sparsamkeit, gezielte Förderung, Verwaltungsoptimierung und klare Reformforderungen.
  • Die GRÜNEN zeigen ein klares Werteprofil mit Fokus auf nachhaltiger Entwicklung, Bürgerbeteiligung und digitaler Verwaltung. Aussagen zur Steuerentwicklung (z. B. Grundsteuer) oder konkreten Einsparzielen fehlen jedoch.
  • SPD und CDU versprechen solide Finanzen und Belastungsbegrenzung – ohne konkrete Maßnahmen oder erkennbare Strategie zur Bewältigung der realen Haushaltsprobleme.

Insgesamt zeigt sich: Angesichts der anstehenden finanziellen Herausforderungen, insbesondere der drastischen Grundsteuererhöhungen, verdienen die Bürgerinnen und Bürger belastbare und transparente Konzepte statt allgemeiner Floskeln.

Quellen


🔎 Hinweis zur Auswertung und Quellenlage (Stand: 18. Juli 2025)

Für unseren Vergleich haben wir die öffentlich zugänglichen Wahlprogramme und ergänzende Aussagen der Parteien und Wählervereinigungen zur Kommunalwahl 2025 analysiert – mit Fokus auf Finanzen, Steuern und Wirtschaftsförderung. Dabei gelten folgende Einschränkungen:

SPD Meckenheim

Auf der offiziellen Homepage war zum Zeitpunkt der Auswertung kein vollständiges Wahlprogramm veröffentlicht. Berücksichtigt wurden daher öffentliche Aussagen aus Social Media, z. B. die am 16. Juli 2025 verbreitete Grafik mit dem Slogan „Keine Steuererhöhungen“, sowie themenbezogene Inhalte der Website.

CDU Meckenheim

Auf der offiziellen CDU-Homepage findet sich lediglich das Wahlprogramm 2020–2025. Das neue „Bürgerprogramm 2025“ ist dort nicht verlinkt und nur über den Direktlink buergerportal-meckenheim.de zugänglich. Für die Auswertung wurden ausschließlich die dort enthaltenen Aussagen zum Thema Finanzen berücksichtigt.

UWG Meckenheim

Das veröffentlichte Wahlprogramm enthält keine konkreten Aussagen zur Finanz- oder Steuerpolitik. Erwähnt werden lediglich allgemeine Zielsetzungen wie „verantwortungsvolle Haushaltspolitik“ sowie die „Sicherung und Ausbau des Wohn- und Gewerbestandortes“.

Fehlende oder nicht belegbare Aussagen sind in der Übersichtstabelle mit „Keine Angabe“ gekennzeichnet.

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